Serielle Sanierung eines Wohnhauses aus den 60er Jahren

Visualisierung eines sanierten viergeschossigen Wohnhauses in München-Schwabing mit Stahlbalkonen und Kletterpflanzen bei Tag
Projekt:Sanierung eines Wohnhauses mit 15 Wohneinheiten
Ort:München – Schwabing
Fertigstellung:2026
Wohnfläche:ca. 800qm
Nächtliche Visualisierung des sanierten Wohnhauses mit erleuchteten Fenstern, Balkonen und Durchfahrt
Luftbild des sanierten Wohnhauses mit Photovoltaik auf dem Satteldach und neuen Stahlbalkonen, dahinter der Olympiaturm
Schwarz-Weiß-Foto des Wohnhauses vor der Sanierung mit Flachdach, Betonbalkonen, Rollläden und Durchfahrt
Schwarz-Weiß-Luftbild eines Wohnviertels in München-Schwabing mit Olympiaturm und BMW-Hochhaus im Hintergrund
Grafik des Sanierungsfahrplans mit fünf Maßnahmenpaketen bis zum Effizienzhaus 55
Energieskalen vorher und nachher: Endenergiebedarf sinkt von 161,7 auf 13,0 kWh/(m²a), CO₂ von 49 auf 8,7 t pro Jahr
3D-Modell des Wohnhauses mit Rasterung der vorgefertigten Fassaden- und Dachelemente, daneben ein Tachymeter

Mehr Zukunft als Bestand

Was jahrzehntelang aufgeschoben wurde, lässt sich mit einem durchdachten Konzept in ein Gebäude verwandeln, das auch den kommenden Generationen gerecht wird.

Dieses Mehrfamilienhaus einer Münchner Wohnungsbaugenossenschaft mit 15 Wohnungen auf vier Geschossen war ein typisches Kind der 1960er-Jahre – und ein Beispiel für erheblichen Sanierungsstau. Über Jahrzehnte waren nur die notwendigsten Arbeiten erfolgt. Ziel der Bauherrschaft war es, den dringend benötigten bezahlbaren Wohnraum langfristig zu sichern und das Gebäude gleichzeitig möglichst klimaneutral aufzustellen – und das alles, ohne die Bewohnerinnen und Bewohner während der Bauzeit ausziehen zu lassen.

Grundlage der Planung war ein umfassender Sanierungsfahrplan mit Prüfung und Ausschöpfung der passenden Förderprogramme. Das Ergebnis: die energetische Sanierung zum Effizienzhaus 55 EE und Verwendung von möglichst vielen nachwachsenden Rohstoffen.

Herzstück des Projekts war die serielle Fassadensanierung. Die bestehenden Balkone, die erhebliche Wärmebrücken darstellten, wurden zurückgebaut und durch großzügigere vorgestellte Stahlbalkone ersetzt. Dann konnten vorgefertigte, hochgedämmte Holzrahmenelemente mit bereits integrierten Fenstern sowie dezentralen Wohnraumlüftern mit Wärmerückgewinnung an der bestehenden Fassade angebracht werden. Dieses Vorgehen ermöglichte eine schnelle Montage bei minimalen Eingriffen in den bewohnten Wohnungen und eröffnete auch noch die Möglichkeit, neue Heizungsstränge für alle Wohnräume in der Bestandsfassade einzubauen.

Auch das marode Flachdach wurde vollständig ersetzt. An seine Stelle trat ein flach geneigtes Satteldach, dessen Neigung gezielt auf den optimalen Ertrag der Photovoltaikanlage abgestimmt wurde. Die gedämmten Dachelemente aus nachwachsenden Rohstoffen wurden ebenfalls vorgefertigt und innerhalb von nur zehn Tagen montiert.

Die Wärmeversorgung erfolgt heute über eine Luft-Wasser-Wärmepumpe. Ein Großteil des benötigten Stroms wird durch die Photovoltaikanlage direkt auf dem Gebäude erzeugt und überschüssige Energie ins öffentliche Netz eingespeist. Die Ergänzung eines Batteriespeichers ist bereits vorgesehen.

Im Zuge der umfangreichen Bauarbeiten wurde auch der Treppenraum saniert. Dabei konnten neue Schächte für die Warm- und Kaltwasserversorgungen und eine neue Stromversorgung für jede einzelne Wohnung hergestellt werden.
Ein frisches Farbkonzept und eine neue, hellere Treppenhausbeleuchtung, ein neues, wärmegedämmtes Haustürelement und eine neue Klingelanlage runden diese Umbaumaßnahme ab.

Dank der energetischen Sanierungsmaßnahmen konnte der Heizwärmebedarf auf unter 15 kWh pro Quadratmeter und Jahr reduziert werden. Anschaulich bedeutet das: Für den Heizbetrieb des gesamten Gebäudes im Winter reicht ungefähr die Leistung von drei Backöfen. Ein eindrucksvoller Beleg dafür, welches Potenzial auch in Bestandsgebäuden steckt, wenn Architektur, Technik und Nachhaltigkeit konsequent zusammengedacht werden.